Etwas Chemie schadet nicht beim Zeitungslesen !

Chemiekenntnisse schaden
auch keinem Journalisten

Anders formuliert, geringe chemische Grundkenntnisse wären beim Verfassen von Artikeln zu begrüßen, die sich mit verhassten Chemikalien befassen.

Die Ausgabe der BNN vom 09. März 2018 brachte auf Seite 25 einen Beitrag mit dem Titel „PFC im nordwestlichen Landkreis“. Darin war die Rede von perforierten und polyflorierten Chemikalien.

Meine Kenntnisse chemischer Begriffe sind berufsbedingt ziemlich umfassend. Aber von perforierten Chemikalien habe ich bisher weder gehört noch gelesen.

Perforieren heißt mit Löchern versehen, durchlöchern, durchbrechen.

Könnte man darunter den sexuellen Missbrauch neuer chemischer Verbindungen („jungfräulicher Chemikalien“) durch die Presse verstehen? Vielleicht auch die chemische Beschaffenheit des Materials einer Toilettenpapierrolle.

Möglicherweise hängt es damit zusammen, dass verschiedene Akronyme aus drei Buchstaben zu Missverständnissen führen, die mit einem großen P beginnen und als zweiten Buchstaben ein F enthalten:

PFA = Perfluor-Alkoxy-Polymere
PFB = PostScript Font Binary
PFC = Perfluorierte Chemikalien
PFD = Personal Flotation Device
PFK = Perfluorierte Kohlenwasserstoffe.

Florieren heißt blühen, gedeihen, sich günstig entwickeln. Polyfloriert bedeutet demnach mehrfach geblüht, wiederholt gediehen, sich ständig günstig entwickelt haben. Das kann auch mal für eine chemische Verbindung zutreffen.

Es gibt jedoch noch kein chemisches Element, das mit Flor bezeichnet wird. Flor bedeutet Blumenfülle, Blumenpracht, im übertragenen Sinn auch Wohlstand und Gedeihen.

Das erste Element der 7. Hauptgruppe des PSE (Periodensystem der Elemente) wird Fluor genannt. Infolgedessen bezeichnet perfluoriert durchgehend fluoriert und polyfluoriert vielfach fluoriert. Mit „fluoriert“ ist in diesem Zusammenhang der Ersatz von Wasserstoff-Atomen eines Moleküls durch Fluor-Atome gemeint.

Per- und polyfluorierte Verbindungen sind chemisch äußerst stabil, biologisch kaum abbaubar und stark wasser- und fettabweisend. Wegen dieser besonderen Eigenschaften finden sie in vielen Verbraucherprodukten wie Kochgeschirr, Textilien und Papier Anwendung.

PFCs reichern sich im Klärschlamm an. Wird dieser Klärschlamm zur Bodenverbesserung in der Landwirtschaft genutzt, versickern die Chemikalien allmählich ins Grundwasser. Pflanzen können aus den Böden PFCs aufnehmen. Durch die schlechte Biodegradierbarkeit resultieren gesundheitliche Bedenken bei Trinkwasser und bei Nahrungsmitteln von den belasteten Böden.

Von Körnermais wird PCF
nur in geringem Umfang aufgenommen und gespeichert

Wasserlösliche PFCs werden über Flüsse und Meere global verteilt. Sogar in entlegenen Gebieten wie der Arktis und den dort lebenden Tieren werden diese Verbindungen gefunden.

In der Erkenntnis, dass Pannen, Patzer und Flüchtigkeitsfehler in Tageszeitungen florieren, perforiere ich den gelesenen Artikel und werfe ihn in die Rundablage.

Prof. Dr. Hermann Roth

Print Friendly, PDF & Email

Gelesen 3577 mal von 1481 Besuchern

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

AlphaOmega Captcha Classica  –  Enter Security Code
     
 

* Copy This Password *

* Type Or Paste Password Here *