Ein Fräulein steht im Walde

Ein Fräulein steht im Walde

Ampelfrauen statt Ampelmännchen

In Melbourne hat man jetzt an zehn Fußgängerüberwegen die Ampelmännchen durch Ampelfrauen ersetzt, um damit die Geschlechtergleichberechtigung zu fördern. Diese Meldung habe ich am 9.3.2017 unserer Tageszeitung entnommen: „Ampelmännchen werden weiblich“ (unten rechts). Übrigens gab es schon zu DDR-Zeiten in Dresden Ampelmännchen und Ampelfrauchen. In Köln leuchteten 2009 die ersten Ampelmädchen. In Berlin diskutiert man seit 2014 über geschlechtergerechte Ampelzeichen. Um Diskriminierung der Männer abzuwenden, sollen dabei abwechselnd Männchen und Frauen an den Ampeln zu sehen sein.

Erkennungsmerkmal der Ampelfrauen ist der Rock. Moderne Frauen tragen aber schon seit Generationen Hosen. Degenderisieren sie sich damit nicht selbst? Wie steht es aber mit dem Kilt oder Schottenrock, der in Schottland nur von Männern getragen wird?

Ampelmännchen – Hampelmännchen. Wann wird dem Hampelmann eine Hampelfrau zur Seite gestellt? Den Flachmann mit einer Flachfrau (ohne erkennbare konvexe Formen) zu ergänzen, dürfte von den Gendersierungswütigen nicht angestrebt werden. Henkelmann und Henkelfrau gleichberechtigt zu gebrauchen dürfte keine Schwierigkeiten bereiten. Wann werden die Heinzelmännchen endlich durch Heinzelfrauchen abgelöst?

Längst fällig ist auch der Ersatz des Männleins im Kinderlied Ein Männlein steht im Walde, denn was damit umschrieben wird, ist die Hagebutte und die ist weiblich. Also muss es folglich heißen Ein Fräulein steht im Walde. Wenn es dann aber weiter geht mit ganz still und stumm, dann spricht dies doch eher gegen die Frauen, denen es bekannterweise schwer fällt, ganz still und stumm zu sein. Anstelle der Hagebutte könnte auch der Fliegenpilz gemeint sein, denn der steht tatsächlich im Walde und die Hagebutte nicht. Die zweite Strophe, in der das Männlein ein schwarzes Käppelein trägt, schließt allerdings den Fliegenpilz aus.

Mann-o-Mann-o-Frau, wohin soll das alles führen!

Um dem Gleichberechtigungsproporz gerecht zu werden, neigt man dazu, statt man jetzt man/frau  zu sagen. Doch von Proporz kann dabei keine Rede sein. Warum? Das Wort Mann besteht  bekanntlich aus vier Buchstaben. Da man bei solch anonymen Formulierungen den Mann klein und nur mit einem N schreibt, muss man auch bei der ebenfalls klein gehaltenen Frau den letzten Buchstaben streichen. Es hieße dann man/fra. „Man“ klingt ziemlich schlaff, „Fra“ dagegen ist Pfälzer Dialekt und bleibt Frau mit allen Attributen („Mei Fra hot gesaacht“).

Nun gibt es unter den Lesenden (d.h. Lesern und Leserinnen) sicher einige besonders kritische Geister und Geisterinnen oder Geistinnen, die mir vorhalten könnten, dass ja keinesfalls feststeht, welches der beiden  N aus dem Wort Mann gestrichen wurde; es könnte ja auch der dritte Buchstabe sein. Streicht man diesen bei der Frau so entsteht das Wort Fru, ein aus dem Märchen „Vom Fischer und seiner Frau“ wohlbekannter Text („Mine Fru, die Ilsebill, will nit so wie ick es will“).

Wir wollen festhalten: Frau bleibt Frau, gleich ob man den letzten oder den vorletzten Buchstaben streicht, während der Mann bei einer solchen Operation zum einem verbalen Kastraten wird.

Print Friendly

Gelesen 4090 mal von 1264 Besuchern

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

AlphaOmega Captcha Classica  –  Enter Security Code
     
 

* Copy This Password *

* Type Or Paste Password Here *