Der-Die-Das Kartoffel

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Geschlechtergerechte Kartoffelsorten?

Eine Gruppe von Kartoffelnasen, pardon Kartoffelfreunden fordert in einer geplanten Petition, dass sich der Bundestag für eine Gleichbehandlung der Geschlechter bei der Vergabe von Namen für Kartoffelsorten einsetzt. Lassen wir doch mal das Flüchtlingsproblem, den IS-Terror, den Erdogan, die Arbeitslosendynamik, den Parteienzwist, das Drogenproblem, die Rechtschreibereform und was sonst noch so die Gemüter erhitzt, kurz beiseite und widmen uns der Frage, wie man die Sorge der Antragsteller mildern könnte.

Vorschlag: Ihr braucht nur die festkochende Linda, die vorwiegend festkochende Gloria oder die mehlig kochende Alma nach dem Kochen zu zerstampfen, dann sind auch ihre weiblichen Namen im Eimer, ich meine im Topf und nennen sich dann der Kartoffelbrei, welcher aber geschlechtsneutral das Kartoffelbrei heißen müsste, wie das Kartoffelpüree. Es gibt weitere Möglichkeiten, die Kartoffelweibchen in männliche Zubereitungsformen zu transformieren; denken wir an den Kartoffelauflauf, den Kartoffelchip, den Kartoffelknödel, den Kartoffelpfannkuchen, den Kartoffelpuffer, den Kartoffelsalat, den Kartoffelschnaps, den Reibekuchen. Leider sind aber auch in diesem Bereich die weiblichen Bezeichnungen paritätisch vertreten: die Bouillonkartoffel, die Bratkartoffel, die Dampfkartoffel, die Kartoffelpampe, die Kartoffelsuppe, die Krokette, die Pellkartoffel, die Pommes frites, die Salzkartoffel. Neutral verhalten sich das Kartoffelbrot, das Kartoffelgratin und das Kartoffelpüree.

Wenn die männlichen Kartoffelnamen auch gegenüber den weiblichen signifikant benachteiligt sind, so sollte man nicht glauben, es gebe sie nicht. Hier eine Auswahl aus der Liste des Bundessortenamtes: Der Ackersegen, Albatros, Amado, Berber, Bonus, Caruso, Django, Euroking, Fasan, Figaro, Jumbo, Logo, Maxi, Mirage, Mungo, Panda, Pirol, Solist, Transit, Verdi.

Der – Die – Das

Wie steht es mit den Begriffen, die sich um die Kartoffel ranken? Sie sind gleichermaßen männlichen und weiblichen Geschlechts, wenige auch sächlich neutral:

Der Kartoffelacker, der Kartoffelbovist, der Kartoffeldämpfer, der Kartoffelkäfer, der Kartoffelkeller, der Kartoffelkorb, der Kartoffelsack, der Kartoffelstampfer, der Kartoffelwickel.

Die Kartoffelblüte, die Kartoffelernte, die Kartoffelhorde, die Kartoffelknolle, die Kartoffelkrankheit, die Kartoffelpflanze, die Kartoffelpresse, die Kartoffelschale.

Das Kartoffelfeld, das Kartoffelfeuer, das Kartoffelkraut, das Kartoffelmehl (Kartoffelstärke).

Bei den bekannten Redensarten um die Kartoffel scheint es nicht erforderlich, nach dem Geschlecht ihrer Namen zu Fragen.

„Die dümmsten Bauern ernten die dicksten Kartoffeln“
„Sie wird dich fallen lassen wie eine heiße Kartoffel“
„Raus aus die Kartoffeln, rin in die Kartoffeln“

ist militärischen Ursprungs, zusammenhängend mit der Befehlsgebung bei Manövern und bedeutet heute, dass eine momentane Anordnung sofort wieder aufgehoben oder ins Gegenteil verkehrt wird.

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Eines der Kartoffelsynonyme lautet Erdäpfel. Das verleitet doch, auch einmal über die Namenvergabe der Äpfel nachzudenken: dem Berlepsch, dem Boskop, dem Braeburn, dem Cox Orange, dem Elstar, dem Golden Delicious, dem Gravensteiner, dem Idared, dem Pinova, dem Weißen Klarapfel stehen gegenüber: die Olivia, die Parmäne, die Pink Lady, die Renette. Die Situation ändert sich auch nicht, wenn wir nach allen Namen der heute auf etwa 850 Sorten geschätzten Kulturäpfel fahnden.

Also, Freunde mit und ohne Adamsapfel, Freunde aller duftenden Äpfel, was auch für die Pferdeäpfel gilt, schart euch zusammen und verfasst eine Petition an den Deutschen Bundestag und verlangt mehr Gleichberechtigung bei der Vergabe von Namen für neue Apfelsorten.

Und wenn wir schon bei der Überwachung der Taufe von Essbarem sind, schauen wir über den Kartoffel- und Apfeltellerrand und fragen nach der Nomenklatur der Getreide- und der Gemüsesorten.

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Getreidesorten

Es heißt der Dinkel, der Emmer, der Hafer, der Kamut, der Mais, der Reis, der Roggen, der Weizen und lediglich die Gerste, die Hirse und der oder die Tricale. Doch ist kaum zu erwarten, dass es noch viele Neuzüchtungen im Bereich der Getreide geben wird.

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Gemüsesorten

Der Ampfer, (Sauerampfer), Borretsch, Brokkoli, Fenchel, Knoblauch, Kohl (Blumenkohl, Grünkohl, Rosenkohl, Rotkohl, Weißkohl), Kohlrabi, Kopfsalat, Kürbis, Lauch, Löwenzahn, Mangold, Meerrettich, Paprika, Porree, Portulak, Rettich, Schnittlauch, Spargel, Spinat, Wirsing.

Die Aubergine, Bohne, Endivie, Erbse, Gartenkresse, Karotte, Linse, Möhre, Petersilie, Rübe (Gelbe Rübe, Kohlrübe, Mohrrübe, Rote Rübe, Teltower Rübe), Rucola, Rukola, Schalotte, Wurzel (Lotoswurzel, Petersilienwurzel, Schwarzwurzel, Yamswurzel), Zucchini, Zwiebel.

Der oder Die Chicorée, die Pastinake oder der Pastinak, Sellerie (Knollensellerie, Stangensellerie), Topinambur.

Das Radieschen.

Obwohl auch hier die männlichen Namen einen erkennbaren Vorsprung vor den weiblichen haben, scheint eine Regulierung derzeit nicht dringend erforderlich.

Wer mehr zum Thema Kartoffel wissen möchte, lese meinen Blog-Eintrag Est nomen omen? und meinen Artikel Das Schicksal der Kartoffelstärke, auch erschienen in der Deutschen Apothekerzeitung vom 24. Juli 2008, Heft 30.

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