Wasser & Kunst

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Wasser & Kunst
Meine Raumskulpturen zum Thema Wasser

Im Jahr 2008 konnte ich mich mit zwei Plastiken an der Ausstellung „Spielart“ im Regierungspräsidium Karlsruhe am Rondellplatz beteiligen. Beide Objekte fanden bei den Besuchern großen Anklang, besonders das Phosphat-Hydrat im Format 26 x 26 x 26 cm.

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Auf Anregung des damaligen Präsidenten der Europäischen Brunnengesellschaft – Prof. Dietrich Maier – dem „Wasserpapst“, wie er von Kollegen und Freunden zu Recht genannt wurde, begann ich, das Objekt in eine Raumplastik mit den Maßen 80 x 80 x 80 cm auf einem entsprechend großen Sockel umzusetzen.

Diese Plastik wurde dann im Rahmen der Ausstellung „Karlsruhe am Wasser“ am 22. März 2009 wiederum im Regierungspräsidium präsentiert und fand erneut Begeisterung bei den Besuchern. Darunter muss wohl auch die Galeristin Emilia Suciu gewesen sein, denn sie räumte mir die Beteiligung an ihrer Ausstellung „geometrisch – abstrakt – dynamisch“ ein, die sie in den Räumen des Kunstvereins Speyer am Sonntag, den 28. Februar 2010 eröffnete.

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Hydrate sind Molekülverbände, die durch Hydratation von Ionen entstehen und in festem oder flüssigem Zustand vorliegen. Man kann sie als Wasseranlagerungs-Produkte bezeichnen. Dabei bleiben die H – O – H -Bindungen unversehrt. In den Hydraten sind die Wassermoleküle in bestimmter räumlicher Anordnung durch nebenvalente, zwischenmolekulare Kräfte, bevorzugt durch Wasserstoffbrücken an die Ionen (auch Atome oder Moleküle) angelagert. In wässrigem Milieu bildet das negativ geladene Phosphat mit den Dipol-artigen Wassermolekülen dreidimensionale, clusterartige Hydrate.

Ein solches Phosphat-Hydrat ist in der als Raumobjekt gestalteten Plastik dreidimensional dargestellt, wobei das Objekt von einem transparenten Würfel umgeben ist. Das Werk bereichert die Thematik „Molekulare Ästhetik“ und stellt einen Beitrag zur Umweltökologie dar.

Um dem mit großem Aufwand und Herzblut geschaffenem Werk einen angemessenen Standort zu vermitteln, wandte ich mich an einige KIT-Institute. Durch Vermittlung von Frau Prof. Dr. Ursula Obst wurde rasch die passende Heimat gefunden.

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Verbunden mit einem Vortrag „Das Phänomen der Chiralität oder Händigkeit, interdisziplinär betrachtet“ – wurde die Raumplastik am 18.10.2012 feierlich überreicht. Sie ist jetzt im KIT – Institut für Hochleistungsimpuls-und Mikrowellentechnik – als Dauerleihgabe ausgestellt.

Um die Ästhetik molekular assoziierten Wassers noch mehr Menschen zu vermitteln, fertigte ich dann eine kleine Plastik eines Wasserclusters:

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Danach begann ich, zwei Wassercluster in großem Format zu schaffen, wovon ein Objekt im Rahmen der Ausstellung „Wasser und Brot“ ab 21. März 2014 im Wasser- und Brunnenmuseum der Stadtwerke Karlsruhe unter dem Namen „Wassercluster“ zu sehen war. Zugleich erschien ein buchförmiger Katalog – herausgegeben von Dietrich Maier und Hermann Josef Roth mit thematisierten Aufsätzen und den Abbildungen aller ausgestellten Werke. Dieter Maier schrieb dazu den Artikel „Wundersames Wasser“. Mein literarischer Beitrag lautet „Unser täglich Brot“.

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Nach Beendigung der Ausstellung fand die Plastik „Wassercluster“ einen äußerst angemessenen Standort. Verbunden mit dem Vortrag „Wässrige Extravaganzen“ wurde sie am 8. Mai 2015 der Bundesanstalt für Wasserbau, Kußmaulstraße 17 in Karlsruhe  als Dauerleihgabe überstellt.

09-Wassercluster-im-Foyer-BAW_700x1000Das Raumobjekt Wassercluster stellt einen Ausschnitt eines größeren Verbandes dar. Obwohl Wasser nach außen hin elektrisch neutral reagiert sind die einzelnen Wasser-Moleküle sog. Dipole. Das bekanntlich aus einem Sauerstoffatom und zwei Wasserstoffatomen aufgebaute Molekül besitzt unterschiedliche Ladungsschwerpunkte und damit einen positiven und einen negativen Pol. Der positive Pol wird durch die Wasserstoffatome, der negative durch den Sauerstoff realisiert. Wasser kann daher nicht nur mit negativ oder positiv geladenen Ionen Wechselwirkungen eingehen, sondern auch mit anderen Wassermolekülen.
Über die unterschiedlichen Anziehungspunkte entstehen durch sog. Wasserstoffbrücken Zusammenhänge, die nicht nur linear sein können oder sich in einer Ebene ausbreiten. Bevorzugt entstehen dreidimensionale Strukturen, die man Wassercluster nennt. Die Gestalt der Cluster wird von verschiedenen Faktoren beeinflusst und kann daher auch sehr unterschiedlich sein.

Die andere Raumplastik, die ich „Das Gedächtnis des Wassers“ nannte, wurde im Rahmen der Ausstellung „Exo-Evolution“ vom 31.10.2015 bis 28.02.2016 im Zentrum für Kunst und Medientechnologie (ZKM) ausgestellt. Danach bleibt sie als Dauerleihgabe im ZKM.

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Das Gedächtnis des Wassers – Im festen Aggregatzustand, also zu Eis gefroren, ist das Wassermolekül räumlich fixiert und bildet die höchstmögliche Anzahl von vier Wasserstoffbrückenbindungen aus. Dadurch entsteht ein regelmäßiges Kristallgitter. Beim Schmelzen brechen diese Verbindungen auf. Aus einem festen Kristall entsteht ein fluktuierendes Netzwerk, in dem verschieden große Ringe aus verbundenen Molekülen vorliegen. Die Darstellung in »Das Gedächtnis des Wassers« zeigt einen dreidimensionalen Ausschnitt aus einem solchen multimolekularen Verband aus Wassermolekülen. In der physikalischen Chemie bezeichnet man diese Molekülverbände als »Wassercluster«. Sie entstehen dadurch, dass das Wassermolekül ein Dipol mit einem positiven und einem negativen Ladungsbereich ist. Ihre Gestalt verändert sich durch den Einfluss positiver und negativer Ionen. Sie enthalten energetische Informationen und sind nur von kurzer Lebensdauer.

Hermann J. Roth ist emeritierter Professor für pharmazeutisch-medizinische Chemie und ehemaliger Direktor der pharmazeutischen Institute der Universitäten Bonn und Tübingen. Neben dem wissenschaftlichen Arbeiten beschäftigt er sich seit 1972 auch künstlerisch mit dem Schwerpunkt der Visualisierung molekularer Ästhetik, mit Symmetrie und Chiralität (Händigkeit) von chemischen Verbindungen.

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