Unsinnige Worthülsen in Sportberichten und -werbungen

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Unsinnige Worthülsen in Sportberichten und -werbungen

Der ganze Sport, alle Emotionen!
Kein TV-Sportbericht ohne diesen läppischen Spruch. Er suggeriert, dass Sport und Emotionen äquivalent seien. Der Sport wird gemessen an den vollbrachten Leistungen. Die Emotionen äußern sich aber meistens in verzerrten Fratzen, in Brüllen und Schreien, in gimpelhaften Gebärden oder in der Bildung gruppensexartiger Körperknäuel.

Besonders abstoßend sind emotionelle Gesten dann, wenn eigentlich eine Entschuldigung angebracht wäre. Ich erinnere mich lebhaft an das Verhalten der Tennisdiva Martina Navratilova, die stets die Faust gereckt und in den Himmel gebrüllt hat, wenn ihr Ball die Netzkante gestreift hatte und für die Gegnerin dadurch unerreichbar wurde. Frauen, die eine gute Kinderstube genossen haben, entschuldigen sich in einer solchen Situation. Menschliche Größe zeigt ein Spieler dann, wenn ihm eine korrekte Entscheidung wichtiger ist als der eigene Vorteil. So hat z.B. gestern, beim Männerfinale der French Open (7. Juni 2015) Novak Djokovic zu seinen Ungunsten eine Entscheidung des Linienrichters korrigiert, der den Ball seines Gegners Stan Wawrinka im Aus gesehen hat, obwohl er noch die Linie berührt hatte.

Adrenalin pur
Adrenalin ist ein Stresshormonn (Neurotransmitter), das im Nebennierenmark gebildet und ins Blut ausgeschüttet wird. Es bewirkt vor allem Herzfrequenzsteigerung, Blutdruckanstieg und Bronchiolenerweiterung. Seine unerwünschten Nebenwirkungen entsprechen weitgehend den Hauptwirkungen und führen zu Herzinsuffizienz, Angina-pectoris-Anfällen, Herzrhythmusstörungen, Herzinfarkt, Kammerflimmern bis Herzstillstand. Daneben muten adrenalinbedingte Übelkeit, Erbrechen, Schwindelgefühle und Kopfschmerzen direkt harmlos an. All das erledigt „Adrenalin pur“. Notabene, der international gebrauchte, wissenschaftlich übliche und als korrekt empfohlene Name für das besagte Stresshormon lautet Epinephrin. „Epinephrin rein“ klingt doch auch nicht schlecht.

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Energieleistung
Naturwissenschaftlich betrachtet ist dieser Begriff ein Pleonasmus. Aber Vorsicht, Vorsicht! Schließlich gibt es ein „Wörterbuch der Fußballsprache“. Dort wird erklärt, dass es sich bei der Energieleistung um „den imponierenden, kämpferischen Einsatz unter schwierigen Bedingungen, (…) mit abschließendem Erfolg“ handelt.

Noch ein Paar Körner
Bei Kommentaren zu Langstreckenläufen, beim Biathlon oder Skilanglauf,
gebrauchen Sportreporter immer häufiger die Redewendung „noch ein paar Körner drauf legen“, besonders wenn es darum geht, den Konkurrenten zu überholen oder einen Platz auf dem Treppchen zu erobern, also Energien frei zu setzen, um die Laufgeschwindigkeit zu steigern. Aber was für Körner sollen das denn sein? Gerstenkörner, Grünkörner, Hagelkörner, Hexenkörner, Kokkelskörner, Pfefferkörner, Salzkörner, Sandkörner, Senfkörner, Stephanskörner, Weizenkörner? Leistungssportler sind selten Körnerfresser. Hier herrscht also dringend Erklärungsbedarf.

Keine Frage
ist eine völlig überflüssige Worthülse, die sich bei einigen Sportberichterstattern großer Beliebtheit erfreut.

Aufs und Abs
enthalten je zwei aufeinander folgende Konsonanten, die sich schlecht aussprechen lassen und das Ohr beleidigen. Sie sind unter die Kakophonien einzureihen (abgeleitet von gr. kakós = schlecht und phoné,= Ton, Laut). Ferner kann Abs mit (dem homophonen) Apps verwechselt werden.

Emotionen verbrauchen Energie!
Das hat ein intelligenter Reporter festgestellt.
Fazit: „Der ganze Sport“ – ja, „alle Emotionen“ – nein.

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