Zum Tag des Wassers am 22. März 2015

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Levitiertes versus strukturiertes Wasser

Über das Wasser sind schon ganze Bücher geschrieben worden. Dabei sind die außergewöhnlichen, um nicht zu sagen anomalen Eigenschaften des Wassers von essentieller Bedeutung. Fragen wir nach Beispielen für eine typische Flüssigkeit, so werden die meisten von Ihnen vermutlich auch das Wasser nennen, einige vielleicht das Benzin. Die Antwort Benzin wäre richtig, die Antwort Wasser ist falsch.

Warum? Weil sich das Wasser – physikalisch und chemisch betrachtet – völlig untypisch verhält. Fast alle seine Eigenschaften sind anomal. Jedenfalls kennt man bis heute etwa 40 Anomalien des Wassers. Wasser ist farblos, geruchlos und geschmacklos, ist also ein Stoff ohne Eigenschaften! Genauer betrachtet sind es nur die organoleptischen Eigenschaften, was sich nicht als Nachteil sondern als unschätzbarer Vorteil im Zusammenhang mit seinen biologischen und physiologischen Aufgaben herausstellt.

Wäre Wasser beispielsweise grün, wir würden alle als grüne Männchen (natürlich auch als grüne Weibchen) herumlaufen. Das wäre vielleicht noch lustig. Hätte Wasser einen Geruch, auch einen angenehmen, oder gar einen unangenehmen, wie der chemisch sehr nahe verwandte Schwefelwasserstoff, wir könnten einander im wahrsten Sinne des Wortes nicht mehr riechen und es gäbe noch mehr Kriege auf der Welt. Das wäre gar nicht mehr lustig. Würde Wasser nach etwas schmecken, d.h. einen charakteristischen Geschmack besitzen, der auch angenehm sein könnte, so würde dieser Geschmack auch jedem wässrigen Getränk anhaften. Trinkwasser, Regenwasser, Quellwasser, Mineralwasser, Tee, Kaffee, Bier und Wein, alle würden alle z.B. nach Bittermandeln oder Muskat schmecken.

Die Moleküle des Wasser sind zwar sehr klein, jedoch multifunktionell und mit zahlreichen besonderen Eigenschaften, man könnte auch sagen sonderbaren Eigenschaften, ausgestattet. Wasser ist bei Raumtemperatur flüssig. Von seiner Molekülgröße her, besser gesagt, gemessen an der Winzigkeit seiner Moleküle, müsste es ein Gas sein. Das ist bereits eine Anomalie. Eine weitere der bisher bekannt gewordenen Anomalien des Wassers besteht in seinem negativen Schmelzvolumen. Während die Dichte fast aller Flüssigkeiten am Gefrierpunkt unter Volumenkontraktion zunimmt, erhöht sich das Volumen des Wassers hierbei um etwa 11%. Auf dieser Anomalie beruht die bekannte Fähigkeit des Wassers, die härtesten Felsen sprengen zu können. Das Dichtemaximum des Wassers herrscht in der flüssigen Phase, was eine weitere Anomalie bedeutet. Beiden Phänomene zusammen bewirken, dass die Seen und Flüsse nicht von Boden her, sondern von der Oberfläche aus gefrieren und das Eis dank seiner geringeren Dichte auf dem Wasser schwimmt. Das ermöglicht der Flora und Fauna das Überleben im Winter.

Beachtlich ist auch die Druckanomalie des Wassers. Während andere Flüssigkeiten unter Druck in die kristalline Form übergehen, wird das Wasser unter Druck fluider. Unter dem Druck der Schlittschuhkufen schmilzt das Eis, sodass Anni Friesinger und Claudia Pechstein auf dem entstandenen Wasserfilm von Sieg zu Sieg dahin gleiten können, manchmal auch nicht. Das liegt dann aber nicht an der Druckanomalie des Wassers sondern an den Leistungen der Konkurrenz.

Assoziate_400x370Alle diese extravaganten Eigenschaften des Wassers beruhen auf der Ausbildung von Wasserstoffbrücken. Das Wassermolekül ist zwar völlig symmetrisch gebaut, stellt aber ein Dipol dar, d.h. es weist regional abgegrenzt, partiell positive und partiell negative Ladungen auf, die es befähigen, Addukte, Assoziate, Cluster aufzubauen oder zu einem der 13 verschiedenen Modifikationen des Eises zu kristallisieren.

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Zwischen zwei benachbarten Wasser-Molekülen bilden sich Beziehungen aus, die darin bestehen, dass ein positiv „angehauchtes“ Wasserstoff-Atom des einen Moleküls mit dem sich negativ zeigenden Sauerstoff-Atom des anderen Moleküls ein Verhältnis eingeht. Und das nennt man dann eine Wasserstoffbrücke.

Kommen wir nach dieser langen, aber wichtigen und notwendigen Vorrede zum Titel-Thema. Laut Duden bedeutet levitieren sich erheben, frei schweben. Die Werbung spricht bei levitiertem Wasser von belebtem, vitalisiertem, informiertem Wasser. Wasser bildet infolge der oben beschriebenen Eigenschaften Verbände mit geordneten Strukturen aus, die man als Cluster bezeichnet. Sie sind zwar von kurzer Lebensdauer, bilden sich aber sofort wieder zurück oder entstehen in vergleichbarer Form von neuem. Ein Ausschnitt aus einem möglichen Wassercluster, in welchem sich die Wassermoleküle aufgrund ihres Dipolcharakters räumlich anordnen, ist in der abgebildeten Raum-Plastik sichtbar gemacht.

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Levitiertes Wasser wird durch Schütteln, Verwirbeln oder durch Passieren besonderer Metallrohre erhalten. Da es bis heute nicht gelungen ist, chemisch-physikalische Veränderungen des levitierten Wassers im Vergleich mit unbehandeltem Wasser nachzuweisen und die Behauptungen, es hätte besondere, geschmacksverändernde, entgiftende oder gesundheitsfördernde Eigenschaften jedes reproduzierbaren, wissenschaftlichen Beweises entbehren, bleibt nur die folgende Vorstellung oder Hypothese. Im levitierten Wasser dürfte die Entropie der Moleküle größer sein als in nicht behandeltem Wasser, wobei Entropie als Maß für die Anordnungsfreiheit der Moleküle zu betrachten ist. Diese Vorstellung kann mit den Prädikaten „belebt“ und „vitalisiert“ in Übereinstimmung gebracht werden, nicht aber mit dem Prädikat „informiert“. Denn wenn sich levitiertes Wasser tatsächlich von unbehandeltem unterscheiden sollte, dann wäre es der Verlust an Informationen, die an die Cluster-Strukturen gebunden sind.

 

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