Profex = Der sprachneutrale Professor

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Profex = Der sprachneutrale Professor

Ein Beitrag zur Gender-Diskussion in Form eines Glossays*
von Hermann J. Roth, Karlsruhe

Etymologisch betrachtet ist der Professor ein Bekenner der wissenschaftlichen Wahrheit, abgeleitet vom lateinischen Verb profiteri = offen bekennen, gestehen.

Will man verbal aus der männlichen Person ein bisexuelles Individuum oder ein geschlechtsloses Neutrum machen, so darf das f nach dem Pro nicht fehlen. Deshalb kann ich dem zwar originellen aber sachlich nicht vertretbaren Vorschlag „Prosecco“ von Harald Martenstein – ZEIT MAGAZIN Nr. 50/2014 –  25. Dezember 2014 (dessen Publikationen ich im Übrigen sehr schätze) nicht zustimmen.

Außerdem klingen Wörter mit einem o als Endbuchstaben stets männlich, während man die auf a endenden als Mädchennamen gebrauchen kann, wenn sie wohlklingend und nicht zu kompliziert sind.

Eine andere Möglichkeit, den Gender zu befriedigen, besteht darin, bei Professor die Endsilbe zu eliminieren, Lady Bitch Ray würde sagen, den Schwanz abzuschneiden. Es hieße dann Profess. Doch das klänge unpersönlich, eher sachlich, wie Prozess. Deshalb halte ich die Sache nicht für einen gendergerechten Progress.

Die Verstümmelung zum Prof ist schon lange geläufig. Ihr haftet aber ein männlicher Hautgout an, der im Nachhinein schlecht zu desodorieren ist.

Statt Prosecco könnte man Profix wählen; damit wäre das f gerettet. Aber dabei käme der Gedanke an Asterix, Obelix und Gefährten auf, und die sind alle Männer. Wie wär‘s, wenn wir beide geschlechtsspezifischen Vokale anhängen würden: Professao oder Professoa. Die erste Alternative erinnert jedoch bei schnellem Sprechen an ein als schmutzig geltendes Haustier.

Nehmen wir doch das sexneutrale i oder das u als Endbuchstabe. Professori wäre der Plural von Professoru. Das erlaubt sogar die Einsparung von zwei Buchstaben, womit wir zu Professu und Professi kommen.

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Conchita Wurst

Ohne die komischen Gallier wäre Profix ideal. Also ersetzen wir das ix durch ein ex. Der und die Profex sind dann gleichwertig, gleichberechtigt und gendergerecht. Gegebenenfalls könnten die Studenti sagen: Die Ex von unserem Profex war auch Profex.

Doch bleiben wir nicht am Profex haften. Viel dringender wäre es, endlich mal das Pronomen man zu gendern. Schließlich ist nicht zu übersehen, dass im „man“ ein abgemagerter Mann steckt. Diskutiert wird dieses Phänomen auf Seite 13 in meinem Buch Banker und Bankerte (IBF Verlag Deutsche Sprache, 2013, ISBN 078-3-942409-35-3).

Der Duden nennt für „man“ als erste unter vier weiteren Bedeutungen: „jemand (sofern er in einer bestimmten Situation stellvertretend für jedermann genommen werden kann)“.

Da haben wir’s wieder: er und jedermann! Ein Vorschlag, um das Problem zu lösen: statt man könnte man doch einfach das neutrale „es“ sagen.

Prof. Dr. Dr. h.c. H.J. Roth

* Glossay = Essay à la Glosse oder Glosse à la Essay

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